Unter der Leitung des Kommandanten Jakob Schick wurden jeden Sonntag Schulübungen abgehalten.
Im August 1874 konnte die erste große Übung stattfinden. Hierzu enthält das Protokollbuch folgenden Eintrag:
Die am 23ten August 1874 abgehaltene erste große Uebung war eine gute zu nennen. Die eingeladenen Gäste, der Herr Bürgermeister und Gemeinderäthe sowie andere Herren, die sich um die Sache des Turn-vereins und speziell um die Feuerwehr verdient gemacht, waren alle erschienen und nahmen an diesem für unsere Gemeinde Bodenheim so erfreulichen Ereignisse den lebhaftesten Antheil, man kann sagen, daß die ganze Gemeinde vertreten war.
Der Feuerwehr wurde ungetheiltes Lob gezollt. Daß diesselbe in so kurzer Zeit zu dieser Fertigkeit kam, war das Ergebnis gemein-sammer und einiger Stärken sämmtlicher Mitglieder, und wollen wir nicht vergessen hervorzuheben denjenigen, welcher als Gründer und Leiter mit gutem Beispiel und großem Fleiß und starkem Eifer uns voranging, unser Kommandant Jacob Schick aus Kastel.
Eine schon vor 125 Jahren hervorragende Zusammenarbeit mit der Mainzer Feuerwehr bestätigt der folgende Eintrag ins Protokollbuch:
Das am 28. August 1874, vormittags 10 Uhr zu Hechtsheim aus-gebrochene große Feuer gab uns Veranlaßung dorthin zu eilen und war die erste Gelegenheit, um tatsächlich zu zeigen, was wir konnten. Mit wahrem Feuereifer ging die ganze Mannschaft ihren Pflichten getreu an die Arbeit. Der 1. Zug mit 22 Mann rückte aus und waren wir um 11 ½ Uhr an der Brandstelle dort angekommen.
Es war eine Freude zu sehen, mit welcher Ausdauer die Männer arbeiteten, und für mich, den unterzeicheten Adjutant, war die Freude um so größer, als es mich für die Zukunft das Beste sehen ließ. Die Mainzer Feuerwehr, welche auch mit einer Spritze anwesend war, gab uns als Kameraden das ehrende Zeugnis, daß wir ganz und voll unsere Pflicht gethan. Auch Herr Provinzial-Präsident Goldmann aus Mainz, der auch zugegen war, hat uns in den schmeichelhaftesten Ausdrücken unser Lob ertheilt. Abends um 10 Uhr kamen wir im Be-wußtsein gethaner Pflicht, wieder wohlbehalten in unserer Heimath an.
Der Steiger Jacob Darmstadt war genöthigt, weil die Leiter hinter ihm abgebrannt, mittelst einer Leiter, welche ihm gereicht wurde, durch eine Dachgaube sich bei dieser Gelegenheit noch zu retten. Ein weiteres besonderes Vorkommnis ist nicht zu melden.
Adjutant D. Kirch
Dies sind Auszüge aus dem ersten Protokollbuch der Feuerwehr und aus der Festschrift von 1926, die beide erfreulicherweise in Originalfassung erhalten geblieben sind.
Die nachfolgend meist in der Original-Formulierung, gelegentlich aber verkürzt, wiedergegegebenen Aufzeichnungen verdeutlichen, wie die neugegründete Feuerwehr sogleich sehr aktiv wurde und tatsächlich auch ständig alarmiert werden mußte.
Am 17. Mai 1875 wurde das 1. Stiftungsfest gefeiert und ein Feuerwehrtag zwecks Gründung eines Rheinhessischen Feuerwehrverbands abgehalten, an welchem sich die Wehren von Hechtsheim, Kostheim, Budenheim, Mainz, Biebrich (Turnerwehr), Nierstein, Zahlbach, Bretzenheim, Worms (Stadt) und die Heil'sche Wehr (ehemalige Lederfabriken in Worms) beteiligten. Die Darmstädter Wehr war als Gast zugegen. Hierbei wurde der einstimmige Beschluß zur Abhaltung eines ordentlichen Feuerwehrtages im Oktober gefaßt. Das 1. Stiftungsfest wurde mit Fuß- und Fahrübungen auf der Huwiese (Gelände des heutigen Sportplatzes) und Steiger- und Spritzenübungen an der "Mailust" (ehem. Gaststätte am Bahnhof) beschlossen.
Nur 7 Tage später, am 22. Mai 1875, entstand in der Güterhalle der ehemaligen hessischen Ludwigsbahn in Mainz ein Großfeuer. Der damalige (Mainzer) Kommandant beorderte telegraphisch die hiesige Wehr. Der 2. Zug erschien innerhalb von 38 Minuten an der Brandstelle in Mainz. (Die pferdebespannte Spritze fuhr demnach ca. 16 km/h!)
Am 25. August 1875, nachts 2 ½ Uhr, entstand in Laubenheim ein Großfeuer. Auf den Hilferuf eilte der 1. Zug an die Brandstelle. Da niemand Vorspann leistete, mußten die Wehrmänner die große (sonst pferdebespannte) Spritze selbst nach Laubenheim ziehen!
Der erste Feuerwehrtag wurde am 10. Oktober 1875 unter Beteiligung der Wehren von Bretzenheim, Budenheim, Gau-Algesheim, Hechtsheim, Kostheim, Zahlbach und Mombach in Bodenheim abgehalten.
(Wer die Wehren aus unserer heutigen Verbandsgemeinde vermißt: Sie wurden alle erst später gegründet: Gau-Bischofsheim 1881, Nackenheim u. Lörzweiler 1892, Harxheim 1927.)
Ausrücken am 6. Juni 1876:
Durch einen Feuerreiter, welcher aber sein Pferd sehr langsam gehen ließ, zur Hülfe nach Nackenheim gerufen, rückte um 5 Uhr morgens der 2. Zug dorthin aus, kam aber trotz seiner schnellen Mobilmachung zum Löschen zu spät.
1. Großeinsatz in Bodenheim:
"Am 26. Juli 1876, morgens um 9 Uhr, ertönte in Bodenheim die Feuerglocke. Alles eilte aus dem Felde. Seit dem Bestehen der Bodenheimer Feuerwehr, welche bereits bei 4 Bränden in den Nachbargemeinden tätig war, war dies der erste Brand in Bodenheim, bei dem sie Hilfe leisten konnte und mußte.
Unter dem Kommando des 1. Brandmeisters Nikolaus Kirch (Spenglermeister) trat sie rasch in Tätigkeit und konnte das Feuer bald auf seinen Herd beschränken. Herr Caspar Josef Dolles, welcher seit dem Jahre 1868 eine eigene Spritze besaß, und die Laubenheimer Feuerwehr, welche herbeigeeilt war, unterstützten die Wehr in dankenswerter Weise.
Die Feuerwehr hatte damals wie gelegentlich auch heute nicht überall nur Freunde, was ein Hinweis des damaligen Chronisten beweisen mag, den er ca. zwei Jahre nach der Gründung aufschrieb:
Die Tätigkeit der Feuerwehr wurde nun allseitig anerkannt und die mannigfachen Gegner der Wehr wurden nunmehr stille, denn wo Taten sprechen, mußten Worte schweigen.
Am 8. August 1876, abends 6 Uhr, war in Lörzweiler ein Großfeuer aus-gebrochen, worauf der 1. Zug der hiesigen Wehr erfolgreiche Hilfe leistete.
Mit großer Freude wurde 1876 protokolliert:
Unsere Geräthe, als Spritzen, Steigerwagen etc. etc. wurden seither in der Scheune des Herrn Sebastian Sauer aufbewahrt. Laut Beschluß der Herren Gemeinderäthe unter dem Vorsitz des Herrn Bürger-meisters Schöller wird jetzt im oberen Bleichgarten ein Spritzenhaus nebst Steigerturm gebaut, welches wir mit Freuden notieren.
Dieses Spritzenhaus "im oberen Bleichgarten" (viele werden diese Wiese noch als "Gemeindegarten" kennen), stand genau an der Stelle des älteren Teils des heutigen Feuerwehrhauses und mußte erst 1954 dem jetzigen Gebäude weichen.
Am 6. Juni 1877, nachmittags 2 Uhr, war in der Scheune des Metzger-meisters Franz Haub in der Rathausstraße ein Feuer ausgebrochen. Die Feuer-wehr unter dem Kommando des 2. Brandmeisters Jakob Haub löschte den Brand in kurzer Zeit. Die Feuerspritze von Herrn Dolles leistete hierbei ebenfalls hilfreichen Dienst.
In der Nachbargemeinde Gau-Bischofsheim war am 19. Februar 1879 , nachmittags 3½ Uhr in dem Gehöfte Werner ein Großfeuer ausgebrochen und Bodenheim um Hilfe angerufen, die bereitwilligst geleistet wurde.
Hinweis des damaligen Chronisten:
In der kurzen Zeit von 4 Jahren hat die Bodenheimer Feuerwehr außer den 2 Bränden in Bodenheim, bei sämmtlichen Nachbar-gemeinden erfolgreiche Hülfe geleistet.
Am 28. Januar 1878 wird Peter Kerz III als Kommandant gewählt, Jacob Schick wird Ehrenkommandant.
Mit einem Protokolleintrag ohne Datum, aufgeschrieben zwischen dem 28. Januar 1878 und dem 22. Februar 1879 wird des verstorbenen Ehren-kommandanten Jacob Schick gedacht, der in Castel (heute Mainz-Kastel) nach kurzem Leiden verstorben war.
Die letzte "Feuerhülfeleistung" der Bodenheimer Wehr im vorigen Jahrhundert war am 1. Dezember 1899 in Nackenheim erforderlich:
Der 3. Zug mit 18 Mann und der neuen Spritze war sehr schnell an der Brandstelle. Das Feuer konnte durch energisches Eingreifen beider Wehren auf seinen Herd beschränkt werden