In alter Zeit

Bodenheimer Feuerwehr in alter Zeit

Schriften der Gemeindechronik aus verschiedenen Jahrhunderten belegen, dass in Bodenheim bereits im Spätmittelalter eine Feuerwehr organisiert war.
Konkrete Hinweise enthalten Schriften aus dem 16. Jahrhundert:

Auf Kreuzmittwoch (Tag vor Christi Himmelfahrt) wurde alljährlich ein Ausschuss von 12 Mann "gezogen", nämlich: 1 Feuerschultheiß (Kommandant) und 11 Löschmänner, ferner 2 Wasserbeseher (Aufsicht über Brunnen und Wasserbütten), 5 Feuerläufer (für Hilferufe bei den Nachbargemeinden).
Jeder Bauer hatte die Pflicht, eine Bütte gefüllt mit Wasser in seinem Gehöft bereitzuhalten.
Gleichzeitig fand an diesem Tage auch die Aufnahme neuer Ortsbürger statt. Jeder neu Aufgenommene musste einen neuen Feuereimer liefern.

Auf "Johannes Evangelist" (27. Dezember) wurden 4 Nachtwächter "gezogen". Dieselben mussten einen Eid ablegen, stets 2 und 2 zu gehen und die vorgeschriebenen 11 Stationen einzuhalten.

Der § 88 des Weistums schrieb vor: "Es soll kein Bauer oder Mensch, fremd oder heimisch, mit einem brennenden Wisch über die Gasse gehen, bei Tag oder Nacht, bei einer Strafe von 1 Pfund Heller."

Zur Verminderung der Feuersgefahr wurden Strohdächer seit dem Jahr 1721 verboten.

In der kurfürstlichen Landordnung vom 24. Juli 1755 wurden Bestimmungen über Brunnen und Weeden erlassen. Zu der bestehenden Weed an der Westecke Rheinstraße / Gartenstraße (heute Liebrecht'scher Garten) wurden noch zwei weitere Brandweiher (auf der oberen Bleiche (späterer Gemeindegarten) und auf der Huwiese (heutiges Sportplatz-gelände) angelegt. Neue Gebäude bedurften nunmehr der vorherigen Genehmigung.

Die kurfürstliche Feuerordnung wurde 1768 "verschärft" bekanntgegeben und auf die Beschaffung von Feuerspritzen hingewiesen.

Bodenheim erhielt im Jahr 1772 die erste Spritze. Wie lange diese Spritze im Gebrauch war, steht nicht fest. Auf jeden Fall wurde bald eine verbesserte Spritze angeschafft, "welche im Jahre 1852 durch die den älteren Bodenheimern noch bekannte große Aleiter-Spritze ersetzt wurde" - so ein Hinweis in der Festschrift anläßlich des "Goldenen Jubiläums" der Wehr 1926.

Die gegen Ende des 18. Jahrhunderts erfundenen einzylindrischen Spritzen hatten nur eine geringe Wirkung. Die später, zu Beginn des 19. Jahrhunderts, hergestellten zweizylindrischen Spritzen mit Windkessel sowie der Einsatz von Lederschläuchen brachten eine wesentliche Verbesserung.

Dies war der damalige "Stand der Technik"- wohl aus heutiger Sicht sehr aufwendig. Von Nachteil war aber immer noch, dass das Löschwasser in Fässern herangefahren werden mußte, an der Brandstelle in dort bereitstehende Bütten abgelassen und von dort mit Ledereimern in die Spritze gefüllt wurde.